Titelbild Einstellungsgrößen

Bildgestaltung: So bekommst Du schnittfähiges Material

Teil 1: Einstellungsgrößen – von Totale bis Detail

Ein Beitrag von Heidrun Köhlert

„Schnittfähiges Material“ – was ist das eigentlich? Und warum ist das beim Filmen mit dem Smartphone so wichtig?

„Schnittfähiges Material“ ist die Summe Deiner Einstellungen[1], die Du brauchst, um Deinen Film ansprechend und kurzweilig zu schneiden, kurz: um ihn zu gestalten.

Vielleicht hast Du das auch schon bei anderen Videos gesehen: Manche Bilder wirken, als würden sie springen. Das stört, lenkt ab und der Film wirkt nicht professionell. Im schlimmsten Fall verlierst Du damit Deinen Zuschauer. Wie Du das Springen vermeidest und welche Tricks Profis anwenden, darum geht es in diesem Blogbeitrag.

Arbeiten mit Einstellungs-Größen in der Praxis

Wie entsteht der Effekt, der die Bilder springen lässt? Das liegt häufig daran, dass in denselben oder in sehr ähnlichen Einstellungsgrößen gefilmt und geschnitten wird.

Für das Filmen mit Deinem Smartphone bedeutet das, dass Du idealerweise mehrere „Takes“ machst, also mehrmals dasselbe Motiv mit derselben Aktion filmst, aber eben in unterschiedlich großen Einstellungen.

[1] Profis sprechen von Einstellungen. In der Foto App wird das als Video bezeichnet. Diesen Begriff finden wir irreführend, weil Video auch ein Synonym für den Begriff Film ist.

Genauer betrachtet: Einstellungen und Einstellungsgrößen

Eine Einstellung ist das kleinste filmische Element, also das, was Du beim Filmen zwischen Einschalten und Ausschalten aufnimmst.[i] Diese Einstellungen können vom Bildausschnitt her unterschiedlich groß sein. Die Einstellungsgröße bezeichnet das Größenverhältnis des fokussierten Objekts (oder der fokussierten Person) zum gesamten Blickfeld. Sie spielt deshalb eine Rolle, weil sie die Augen des Betrachters auf das lenken können, was Dir wichtig ist. Du kannst also damit die Aufmerksamkeit entsprechend führen.

Die Grenzen der Einstellungsgrößen verlaufen fließend. Wir stellen Dir in den Bildern unten die wichtigsten vor: Totale, Halbtotale (Halbnahe), Nahe, Großaufnahme, Detail.

[i] www.jungefilmszene.de

Heidrun Halbtotale

Totale: Diese Einstellungsgröße bietet Deinen Zuschauern Orientierung und Übersicht

Halbtotale: Zeigt die ganze Person von Kopf bis Fuß

Halbnahe oder Amerikanische* Einstellung: Zeigt die Person bis zur Hüfte.

Titelbild Heidrun K. Augen nah

Nahe: Eine gute Einstellung für Interviews, unten im Bild ist Platz für die Namensnennung („Bauchbinde“)

Großaufnahme oder close: Hier konzentrierst Du Dich auf das, was Dir wichtig ist, worauf Du die Aufmerksamkeit Deines Zuschauers lenken willst.

Detail: Auch hier lenkst Du die Aufmerksamkeit Deines Zuschauers auf etwas Wichtiges, meist eine Aktion oder die Ansicht eine kleines Details.

*  Aus klassischen amerikanischen „Western“, wo der Colt am Gürtel zu sehen sein musste.

Damit Deine Filmarbeiten mit unterschiedlichen Einstellungen gut gelingen haben wir Tipps für Dich:

Tipp 1:

Mach Dir vor dem Filmen eine Liste, die du abhaken kannst. So stellst Du sicher, dass Du mit den Einstellungsgrößen variierst – und keine vergisst.

Tipp 2:

Filme nicht zu viele Wiederholungen von ein und derselben Einstellung. Sonst  verlierst Du leicht die Übersicht über Dein gedrehtes Material. Versuche, eine Einstellungsgröße von Deinem Motiv nicht mehr als drei Mal zu filmen.

Tipp 3:

Probiere die Wirkung von deutlich unterschiedlichen Einstellungsgrößen im Schnitt aus: Beispielsweise Totale auf Nahe, Halbnahe auf Close oder Halbnahe auf Detail.

Tipp 4:

Schneide idealerweise ohne Blenden, die Profis nennen das „harter Schnitt“. So siehst Du am besten, ob die Bilder springen oder sich gefühlt nahtlos aneinanderreihen. Denn: Je unterschiedlicher die Einstellungsgrößen, desto unauffälliger sind Deine Schnitte für den Betrachter. Damit wirkt Dein Film professioneller!

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